Im Herbst ist es wieder an der Zeit, im Garten Hecken, Sträucher und Bäume zu beschneiden und diese auf die Wintersaison vorzubereiten. Für den sanften Formschnitt oder den radikalen Verjüngungsschnitt und die Beseitigung der abgeschnittenen Äste und Zweige benötigt man passende Gartenwerkzeuge. Motorisierte Heckenscheren und Gartenhäcksler erleichtern die Arbeit erheblich. Der Umgang mit diesen Geräten ist jedoch nicht ungefährlich, denn ihre scharfen und schnell schwingenden Messer können bei Unfällen zu schweren Verletzungen führen. „Verletzungen bei der Gartenarbeit, insbesondere verursacht durch Fallen und durch mechanische sowie vor allem elektrische Geräte, stehen in der Statistik für Unfälle im Haushalt weit oben“, sagt André Siegl, Arbeitsschutzexperte beim TÜV-Verband. Für sichere Gartenarbeit im Herbst mit Heckenscheren und Gartenhäckslern gibt der TÜV-Verband Hinweise.

Sicherheit beginnt beim Kauf

Beim Kauf von elektrischen Geräten und Maschinen für die Gartenarbeit sollten Verbraucher:innen immer darauf achten, dass das Produkt über eine entsprechende CE-Kennzeichnung verfügt. Damit bestätigen Hersteller, dass die gekennzeichneten Waren gemäß der geltenden EU-Richtlinien produziert wurden. Bessere Orientierung bieten das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit und die TÜV-Prüfsiegel, die häufig in Kombination vorkommen. Neben der Beachtung von Kenn- und Prüfzeichen gibt es einige Kaufkriterien für Heckenscheren und Gartenhäcksler, die Verbraucher:innen bei der Auswahl eines richtigen Modells berücksichtigen sollten . 

Heckenscheren: Eine Messerstoppfunktion und eine Sicherheitsschaltung, die ein automatisches Wiederanlaufen des Geräts verhindern, sind wichtige Merkmale für eine sichere Heckenschere. Der automatische und vor allem schnelle Messerstopp beim Ausschalten oder bei der Durchtrennung der Stromversorgung kann schwere Unfälle verhindern. Bei der Inbetriebnahme sollten mindestens zwei Schalter (sog. Zweihand-Sicherheitsschaltung) gleichzeitig gedrückt werden müssen. Lässt man diese los, stoppen die Messer innerhalb kürzester Zeit. Außerdem sollte als Überlastungsschutz eine Rutschkupplung vorhanden sein, um beim Blockieren der Messer eine Überlastung des Motors zu verhindern. Das kann der Fall sein, wenn Zweige oder Äste zu dick sind. Gummierte Griffummantelungen sorgen für eine Rutschsicherheit und ein Anstoßschutz entlang der Messerspitze rundet die Sicherheitsstandards einer Heckenschere ab. 

Gartenhäcksler und Gartenschredder: Gartenhäcksler sind in der Lage, das Häckselgut aus Baum- und Heckenschnitt schnell zu zerkleinern, das später als Kompost- oder Mulchmaterial verwendet wird. Preiswerte Modelle sind bei Baumärkten oder Discountern bereits ab rund 100 Euro zu haben. Für den professionellen Einsatz zur Verarbeitung von Ästen mit Durchmessern von bis zu 12 cm sind Gartenschredder am Markt, die wiederum ab 1000 Euro und mehr erhältlich sind und meist mit einem Verbrennungsmotor ausgestattet sind. Wichtige Eigenschaften sind die Motorleistung und die maximale Aststärke, die bei jedem Gerät angegeben werden. Jedoch verursachen Häcksler oft erhebliche Lärmbelästigungen. Deshalb sollten Verbraucher:innen auf den angegebenen Schallleistungspegel (LWA) achten und sich für Geräte mit möglichst niedrigen LWA-Werten entscheiden. Das Umweltzeichen „Blauer Engel“ wird vergeben, wenn es sich um lärmreduzierte Geräte handelt (LWA kleiner als 92 dB(A)). Elektromotoren erzeugen weniger Lärm und keine Abgase als Benzinmotoren.  

Sicherheitsmaßnahmen bei der Nutzung

Vor der ersten Inbetriebnahme sollten sich Benutzer:innen mit der Gebrauchsanleitung und den Sicherheits- und Warnhinweisen des Herstellers vertraut machen. Um sich und andere zu schützen, sollten Benutzer:innen beim Schneiden und dem Häckseln folgende Sicherheitsmaßnahmen beachten.

  • Hindernisse vor dem Arbeitsbeginn beseitigen

Vor dem Arbeitsbeginn sollte man sicherstellen, dass sich keine Hindernisse oder Stolperfallen im Arbeitsbereich befinden. Auch Gegenstände wie Metallobjekte oder Gartendekoration sollten vorab entfernt werden. Ein fester Stand für Benutzer:innen und Geräte erhöht die Sicherheit beim Betrieb. 

  • Kinder und Haustiere vom Arbeitsbereich fernhalten

Als weitere Sicherheitsvorkehrung sollte man Kinder und Haustiere vom Arbeitsbereich fernhalten. Auch Menschen, die bei der Arbeit nicht behilflich sind, sollten sich währenddessen nicht dort aufhalten.

  • Auf eigene Sicherheit achten

Beim Betrieb sollten Benutzer:innen nur die in der Gebrauchsanleitung beschriebenen Bereiche  am  Gerät berühren und ihre Finger von ungeschützten, sich bewegenden Maschinenteilen, wie Messern und im Fall eines Häckslers vom Einzug sowie dem Ausfallsschacht fernhalten. Bei der Arbeit mit kabelgebundenen Scheren sollte das Kabel stets nach unten herabhängen, während die Messer nach oben zeigen. 

  • Geräte bei Pausen ausschalten und sicher lagern

Bei Pausen sollte man das Gerät erst ablegen, wenn der Motor abgeschaltet ist und die Messer stoppen. Gartengeräte, die mit Kraftstoffen wie Benzin betrieben werden, sollten außerdem in sicherer Entfernung zu offenem Feuer gelagert werden. 

  • Arbeiten über Kopf vermeiden

Das Arbeiten mit motorisierten Heckenscheren über Kopf ist tabu. Auch Stühle oder leichte Leitern sind eine Gefahr, weil diese für den Einsatzzweck nicht zulässig sind oder durch ihre Bauart nicht ausreichend gegen Umstürzen gesichert sind. Durch das Kippeln dieser Aufstiegshilfen kann man zudem leicht das Gleichgewicht verlieren. Für hohe Hecken oder den Rückschnitt empfehlen sich Heckenschneider mit einem Teleskoparm. So kommt man vom Boden aus mit festem Stand auf die gewünschte Schnitthöhe.

  • Einsatzleistung des Geräts nicht überschreiten

Wenn sich die Heckenschere verkantet und kaum noch zu beherrschen ist, sollte man bei dickeren Ästen auf manuelle Astscheren oder Sägen zurückgreifen. Bei Gartenhäckslern sollte das Häckselgut den eingestellten Durchmesser nicht überschreiten. Überladungen und Überlastungen können zum Rückschlagen des Häckselguts, zu Blockaden in der Mechanik, zum Verkeilen der Messer und zu Defekten am Gerät führen. 

Schutzausrüstung für mehr Sicherheit

Eine geeignete Schutzausrüstung gehört ebenfalls zum Sicherheitsprogramm. „Sowohl beim Hecke schneiden als auch beim Häckseln sollte man den Körper schützen und möglichst wenig unbedeckte Stellen haben“, sagt Siegl. Um das Risiko einer Verletzung zu verringern, schlägt Siegl folgende Schutzausrüstung bei der Gartenarbeit vor.

Enganliegende Kleidung: Enganliegende robuste Kleidung kann verhindern, dass Stoffteile versehentlich in die Messer zu geraten. Lose Kleidung, lange Schals oder Schmuck haben bei der Gartenarbeit nichts verloren. Lange Haare sollten zusammengebunden werden. Hier empfiehlt sich eine Kopfbedeckung zu tragen, um ein Erfassen durch bewegliche Teile zu vermeiden. 

Rutschfestes Schuhwerk: Rutschfeste Schuhe verringern die Stolper- und Rutschgefahr auf dem Gartengrundstück. 

Schnittfeste Handschuhe: Es ist dringend empfohlen, beim Betrieb der Heckenschere und des Gartenhäckslers schnittfeste, gutsitzende Handschuhe zu tragen. Somit wird das Unfallrisiko von Schnittverletzungen verringert.

Schutzbrille: Gerade beim Hantieren mit Ästen ist Vorsicht geboten, weil Astenden oder Holzspäne in hoher Geschwindigkeit herumfliegen und in die Augen geraten können. Um Augenverletzungen zu vermeiden, ist das Tragen einer Schutzbrille wichtig. 

Gehörschutz: Die Ohren schützt zudem ein Gehörschutz. Dieser ist auch bei den leiseren Akku-Geräten durchaus sinnvoll, um langfristige Beeinträchtigungen des Gehörs zu vermeiden.