Im Sommerurlaub versprechen sie großen Fahrspaß und den Adrenalinkick für zwischendurch: Sommerrodelbahnen und Seilrutschen. Doch ist das Abenteuer mit Risiken verbunden. „Der Spaß an aufregenden Freizeitaktivitäten wie der Sommerrodelbahn und der Seilrutsche kann nur gewährleistet werden, wenn die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden und eine vorherige Risikoaufklärung der Benutzer:innen stattgefunden hat. Ohne Sicherheit kein Spaß“, sagt André Siegl, Referent für Anlagensicherheit beim TÜV-Verband. Welche Risiken es gibt und wie man sich am besten vor und während der Fahrt verhält, erklärt der TÜV-Verband.

Kilometerlang über Täler und Schluchten

Bei einer Seilrutschenfahrt gleiten Wagemutige teilweise kilometerlang an einer Seilrolle oder einem Karabinerhaken hängend über Abgründe und Schluchten – und genießen dabei besondere Aussichten aus der Vogelperspektive. Mit diesen professionellen Kabelbahnen können sie Geschwindigkeiten von bis zu 100 km/h erreichen. Sicherheit steht deswegen an erster Stelle: Je nach Einsatzgebiet und Höhe der Anlage ist ein doppelt geführtes Sicherungssystem erforderlich. Hinzu kommen Gurte und Schutzhelme für die Benutzer:innen und gegebenenfalls die Betreuung durch ausgebildetes Personal.

Spitzengeschwindigkeiten erreichen Abenteuerlustige auch auf sogenannten Sommerrodelbahnen: Hier sind bis zu 40 km/h möglich. In einer Wanne aus Edelstahl, Zement oder Kunststoff oder auf einem festen Schienensystemen ist der Winterspaß auch bei sommerlichen Temperaturen möglich.

Menschliches Fehlverhalten: Grund für die meisten Unfälle

Der technische Zustand von Sport- und Freizeitanlagen spielt eine wesentliche Rolle für ihre Sicherheit. Allerdings können regelmäßige Prüfungen nicht alle Gefahren ausschließen. „Die Nutzung dieser Anlagen ist grundsätzlich mit bestimmten Risiken verbunden. Sie sind in den geltenden Normen explizit eingeschlossen. Hin und wieder können Unfälle trotz strenger Einhaltung von Vorgaben und Regeln und ohne ersichtliche technische Mängel geschehen“, erklärt Siegl. „Nach unserer Erfahrung ist ein Großteil der Unfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen.“ Häufig stellt sich heraus, dass Benutzer:innen sich nicht an die Regeln gehalten haben. Bei Sommerrodelbahnen zum Beispiel sind die meisten Unfälle Auffahrunfälle. Sie passieren, weil Rodler:innen nicht auf den Sicherheitsabstand achten oder auf der Strecke stoppen. Bei Seilgärten ist Selbstüberschätzung ein großer Risikofaktor. „Sport- und Freizeitanlagen verlangen –wie im Straßenverkehr— immer eine gewisse Eigenverantwortung, die den Benutzerinnen und Benutzern bewusst sein muss“, sagt Siegl weiter. Damit das Vergnügen sicher bleibt, empfiehlt der Experte folgende Sicherheitsregeln:

  1. Vor der Fahrt: Hinweisschilder beachten und Nutzungsregeln einhalten
    Benutzer:innen sollten vor der Fahrt unbedingt die Hinweisschilder vor Ort sorgfältig lesen und die Nutzungsregeln einhalten. Generell sollte vor einer Fahrt die Einnahme bestimmter Medikamente vermieden werden, auf Drogen- und Alkoholkonsum ist prinzipiell zu verzichten. Menschen, die wegen ihres Gesundheitszustands die Anforderungen der Anlage nicht erfüllen, sollten diese nicht benutzen. Die vorhandenen Rückhaltesysteme, also Gurte und Bügel sind ordnungsgemäß anzulegen, falls erforderlich mit Unterstützung des Personals an der Anlage.
  2. Eigene Kraftgrenze und Sportlichkeit vorab einschätzen
    Bei Seilrutschen sind oft Streckenabschnitte mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden verfügbar. Benutzer:innen sollten vorab ihre eigene Kraftgrenze sowie Sportlichkeit einschätzen und die geeignete Strecke wählen. Wer sich überschätzt, könnte sich selbst und andere unnötig in Gefahr bringen.
  3. Kinder ausführlich über die Sicherheitsregeln informieren
    Eltern müssen ihren Kindern die Sicherheitsregeln, die Bedienung des Geräts und die Bremspunkte erklären. Das gilt insbesondere dann, wenn Altersbeschränkungen oder andere Vorgaben, wie beispielsweise Größenvoraussetzungen bestehen. Bei Sommerrodelbahnen müssen Kinder je nach Anlagentyp bis zu einem Alter von sieben Jahren von einer erwachsenen Person begleitet werden. Erst ab acht Jahren dürfen sie alleine fahren, wenn der Anlagentyp dies zulässt. Bei Seilrutschen dürfen Kinder und Jugendliche in der Regel ab dem Alter von 14 Jahren ohne eine Begleitperson am Abenteuer teilnehmen. Es gibt jedoch bei manchen Anlagen Strecken speziell nur für Kinder.
  4. Stets auf das Tempo und den Mindestabstand achten
    Benutzer:innen sollten während der Fahrt stets auf das Tempo achten und gegebenenfalls bremsen. Die meisten Sommerrodelbahnen verfügen über sogenannte Fliehkraftbremsen, die automatisch greifen, wenn die Schlitten schneller als 40 km/h werden. Trotzdem sollten Rodler:innen auf die Schilder entlang der Strecke achten und an den gekennzeichneten Stellen bremsen oder Fahrt aufnehmen. Falls gefordert, sollte ein Mindestabstand von 25 Metern zwischen zwei Schlitten auf der Rodelbahn eingehalten werden, um Auffahrunfälle zu vermeiden.
  5. Während der Fahrt in der richtigen Körperhaltung bleiben
    Die Fahrenden sollten sich permanent auf die Strecke konzentrieren und in der empfohlenen Körperhaltung verbleiben. Das bedeutet auch: Fotos mit dem Handy oder der Kamera sind tabu. Denn auch das Steuern zu vernachlässigen, kann zu Unfällen führen. Auf den Sommerrodelbahnen ist außerdem das Hinauslehnen oder gar Aufstehen verboten. Die Hände müssen stets auf der Bremse und die Füße fest auf den Schlittenboden bleiben. Lose Kleidung, lange Schals oder spitze Gegenstände gehören nicht auf den Bahnen oder Seilstrecken.

So sorgen Betreiber für Sicherheit

Damit der Freizeitspaß sicher bleibt, müssen Seilrutschen und Sommerrodelbahnen hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen. Betreiber:innen sollten sich bei Aufbau und Wartung strikt an die Herstelleranweisungen und die jeweiligen Bauordnungen halten. Nötig sind eindeutige Schilder und Kennzeichen mit den Nutzungs- und Sicherheitshinweisen. Bei der Inbetriebnahme ist eine Erstprüfung durch eine unabhängige Prüfstelle vorgeschrieben, danach jährlich wiederkehrende Prüfungen. Die Berichte müssen die Betreiber:innen der Baubehörde vorlegen.

„Viele Urlauber:innen suchen sich solche Anlagen nach Spaßfaktoren wie möglichst spektakulären Kurven oder der Länge der Strecke aus. Sicherheit ist jedoch Voraussetzung für ihr Vergnügen. Der Blick sollte also immer auch auf die angebrachte Prüfplakette gehen“, sagt Siegl. Um die Sicherheit des Freizeitvergnügens sicherzustellen, nehmen die TÜV-Sachverständigen regelmäßig Sommerrodelbahnen und Seilrutschen unter die Lupe. Prüfgrundlagen sind die jeweilig geltenden Normen. Für Sommerrodelbahnen sind seit Februar 2018 die sicherheitstechnischen Anforderungen an die Streckenplanung, Konstruktion und Berechnung, Herstellung, Aufstellung, Prüfung und Inbetriebnahme in der Norm DIN ISO 19202 festgelegt. Bestimmte Anforderungen an Seilrutschen sind in der Norm DIN EN 15567 für Seilgärten festgelegt, in der die Anforderungen im Hinblick auf die Auslegung, Konstruktion, Inspektion und Wartung von Seilgärten und deren Komponenten beschrieben sind. 

Für Sommerrodelbahnen und Seilrutschen geben die einschlägigen Normen und Handlungsanleitungen unter andere die Kontrolle des festen Sitzes und der Unversehrtheit der Elemente, der Funktionalität der vorhandenen Systeme und sämtlicher Sicherheitsvorkehrungen vor. Bei Sommerrodelbahnen werden zum Beispiel die Räder, Bremssysteme und Rückhaltesysteme von Schlitten sowie die Nothalt-Taster und Lichtschranken der Anlage geprüft. Auch die Sicherheit der Rettungswege und Absturzsicherungen wird beurteilt. Bei Seilrutschen werden die Parcours und die einzelnen Teile der Seilbahn auf ihre Qualität überprüft. Zum Prüfprogramm gehört auch die ordnungsmäßige Rettung von Fahrgästen, die der Mut oder die Kraft verlassen hat und die die Fahrt abbrechen wollen.