Aufrecht stehend übers Wasser gleiten: Stand-Up-Paddling oder Stehpaddeln ist in den vergangenen Jahren eine beliebte Wassersportart für die Sommertage geworden. Auch Corona dürfte noch einmal für Aufwind gesorgt haben. Schließlich fahren Sportler:innen mit ausreichend Abstand über Seen, Flüsse oder im Uferbereich auf dem Meer. Stand-Up-Paddle-Boards, kurz SUPs, eignen sich für sportliche Paddelrennen oder gemütliche Spazierfahrten, SUP-Yoga oder sogar Angelausflüge. „Die Auswahl an SUPs ist riesig und kann Anfänger:innen überfordern“, sagt André Siegl vom TÜV-Verband. „Vor dem Kauf sollte man sich gut überlegen, wofür das Board genutzt werden soll und ob es zum eigenen Körper passt.“ Aufblasbare SUPs, so genannte Inflatables oder iSUPs, sind echte Alleskönner und eignen sich insbesondere für Paddler:innen ohne oder mit wenig Erfahrung. „Während eines Einführungskurses oder beim Ausleihen eines Boards bekommen Interessierte eine erste Vorstellung davon, was sie tatsächlich brauchen und worauf sie beim Kauf achten sollten“, sagt Siegl. Außerdem bieten unabhängige Prüfzeichen eine gute Orientierung in Bezug auf Sicherheit und Qualität von SUPs. „Trägt ein Board das Prüfzeichen eines TÜV-Unternehmens, erfüllt es die Anforderungen in Bezug auf Materialbeschaffenheit, Belastbarkeit und Stabilität und somit auf sicherere Verwendbarkeit“, erklärt Siegl. „Die TÜV-Labore führen umfangreiche Simulations- und Praxistests durch. Paddler können dann sicher sein, dass das Board robust gebaut ist, stabilen Auftrieb hat und im Rahmen der Nutzlast eine gute Steifigkeit aufweist, also nicht durchhängt.“ Der Kaufratgeber des TÜV-Verbands für aufblasbare SUPs erklärt, worauf Wassersportler:innen beim Kauf achten sollten:

Hauptkriterien für die Wahl eines iSUPs

Für Anfänger:innen und Gelegenheitspaddler:innen sind aufblasbare SUPs eine gute Wahl. Sie eignen sich für verschiedene Wasserumgebungen an Meeresstränden oder für Flüsse und Seen. Ein großer Pluspunkt: Sie benötigen wenig Stauraum und lassen sich gut transportieren. Aufblasbare SUPs unterscheiden sich in Form, Volumen und Kapazität voneinander und haben dementsprechend unterschiedliche Eigenschaften. „Inflatables sind meist zwischen 300 und 370 cm lang und sind für Einsteiger als Allrounder ideal“, sagt Siegl. „Als Faustregel gilt: Je größer der Paddler, desto größer sollte das Board sein. Welche Board-Länge Paddler letzten Endes wählen, hängt aber genauso von Fähigkeiten und Vorlieben ab.“

So beeinflussen Form und Größe die Fahreigenschaften:

  • Lange Boards gleiten besser als kurze.
  • Schmale Boards fahren schneller als breite.
  • Breite Boards sind stabiler als schmale und eignen sich für Fahrten mit Kind oder Hund.
  • Boards mit schmalem Heck lassen sich bei Surfmanövern schneller wenden.
  • Dicke Boards mit hohem Volumen haben mehr Auftrieb und tragen mehr Gewicht als dünne Boards.
  • Dünne Boards fühlen sich standstabiler an als dicke Boards.

Qualität und Sicherheit

SUPs sind keine Luftmatratzen: Das Board besteht aus extrem festem, druckbeständigem Material und wird sehr hart, wenn es aufgepumpt wird. „Spitze Steine, Felsen und Kiesböden können der Board-Haut in der Regel wenig anhaben“, sagt Siegl. Bei SUPs gibt es je nach Hersteller und Preis große Unterschiede hinsichtlich der verwendeten Materialien, wie Folien und Klebungen und einigen Konstruktion- und Designmerkmalen. Siegl: „Boards mit einer einzigen Materialschicht sind tendenziell leichter und preiswerter, in der Regel aber auch dicker, um die geringe Steifheit des Materials auszugleichen. Zweilagige Boards, auch double Layer genannt, sind robuster, allerdings auch teurer. Die zusätzliche Schicht aus verstärktem PVC-Gewebe erhöht die Haltbarkeit und Stabilität und das Gewicht eines Boards. Die Extrakilo tragen auch dazu bei, dass das Board unter anspruchsvolleren Wasserbedingungen mehr Schwung hat.“ Häufige Schwachstelle von iSUPs sind die Kanten. Hochwertige iSUPs haben verstärkte Kanten, um die Lebensdauer der Boards zu erhöhen.

Für einen sicheren und stabilen Stand auf dem Board sorgt das Deckpad. Material und Textur des Deckpads bieten Grip und Traktion für nasse Füße. Sie verhindern, dass Paddler:innen bei kleinsten Wellen vom Board rutschen. „Deckpads variieren stark in Materialstärke und -dichte und werden mit einer Vielzahl von Texturen hergestellt. Die Textur beeinflusst, wie sicher Paddler auf dem Board stehen und wie sich das SUP unter den Füßen anfühlt“, sagt Siegl. „Ein gutes Deckpad kann den Komfort beim Paddeln erhöhen. Boards mit vollflächiger Polsterabdeckung sind außerdem ideal für SUP-Fahrten mit Passagieren.“

Finnen, Paddel, Zubehör

Die Finnen an der Unterseite der Boards dienen der Stabilität und beeinflussen die mögliche Fahrgeschwindigkeit. „In flachem Wasser kann eine einzelne kurze Finne in der Mitte des Boards ausreichen“, sagt Siegl. „Wer aber in Wellen oder Strömungen unterwegs ist, bekommt durch eine große Mittelfinne und zwei kleinere Seitenfinnen zusätzliche Stabilität.“ Für Paddler:innen, denen Geschwindigkeit besonders wichtig ist, sind große Mittelfinnen zu empfehlen. Weil die Finnen so viel Einfluss auf die Fahrqualität des Boards haben, ist eine Prüfung besonders wichtig: Hält das Material Wasserströmungen oder kleinen Stößen stand? Wie sind die Finnen angebracht? Kann man sich an scharfen Kanten verletzen?

Auch bei der Wahl des Paddels gibt es Einiges zu beachten: Es sollte etwa 15 bis 30 cm größer sein als die Paddlerin. „Im Idealfall ist das Paddel in der Länge verstellbar und kann zum Transport in kleinere Teile zerlegt werden“, sagt Siegl. „Das Paddel sollte nicht zu schwer sein und auf dem Wasser schwimmen können. Das ist besonders dann wichtig, wenn Paddler:innen vom Board fallen oder das Paddel loslassen.“ TÜV-Sachverständige testen, ob die Konstruktion des Schaftes und das Paddelblatt auch hohem Wasserdruck standhalten und ob das Blatt effektiv Wasser schieben kann. Wie komfortabel der Paddelgriff in der Hand liegt, müssen Paddler:innen selbst testen.

Praktisch sind Befestigungsmöglichkeiten zum Beispiel für wasserdichte Seesäcke, um wichtige Gegenstände zu sichern. Unnötige Befestigungen jedoch können zusätzliches Gewicht verursachen, den Stand behindern oder sich an Objekten im Wasser verfangen. Das bewährteste Befestigungssystem besteht aus einer gekreuzten Bungee-Schnürung vorne, einem zentrierten D-Ring an der Nase zum Schleppen und einem D-Ring am Heck zur Befestigung einer Leine. Siegl: „Eine Sicherheitsleine (engl.: Leash) um den Knöchel verhindert, dass Paddler nach einem Sturz ins Wasser von ihrem Board getrennt werden. Dabei sollte die Leine ausreichend Spiel geben: Zu kurze Leinen behindern im Falle eines Sturzes die Bewegungsfreiheit.“ 

TÜV-Sachverständige testen im Rahmen der Produktprüfungen, ob die D-Ringe bei starkem Zug sicher am Board halten. So wird sichergestellt, dass die Verbindung zwischen Paddler:in und Board auch starker Strömung standhält. Zur Sicherheitsausrüstung von SUP-Nutzer:innen gehören außerdem eine Schwimmweste, eine Trillerpfeife und – falls die Wetterbedingungen eher schlecht sind – ein Neoprenanzug. Je nach Gewässer oder Entfernung vom Ufer sind Schwimmwesten sogar vorgeschrieben. 

Den Durchblick behalten beim Onlinekauf

Insbesondere unerfahrene SUP-Nutzer:innen sollten beim Online-Kauf genau hinschauen. „Verbraucher sind mit einer riesigen Auswahl, Bestenlisten und persönlichen Empfehlungen konfrontiert“, warnt Siegl. „Vermeintlich objektive Warentests sind häufig mit Affiliate-Links versehen, die direkt auf Händlerseiten verweisen.“ Bei einem Kauf der verlinkten Artikel erhalten die „Tester:innen“ dann eine Provision. Online-Shopper:innen sollten darauf achten, ob es sich bei den Testberichten um Werbung handelt und diese einem Faktencheck unterziehen. „Gerade auf großen Online-Plattformen sind gefälschte „Kund:innen“-Bewertungen nicht selten“, sagt Siegl. „Eigene Erfahrungen zum Beispiel mit geliehenen SUPs helfen dabei, Online-Bewertungen besser einzuordnen.“ Nicht zuletzt sollten Verbraucher:innen checken, ob es sich um einen seriösen Online-Shop handelt. Hinweise geben unter anderem eine sichere Verbindung beim Aufrufen der Website („https://…“), ein vollständiges Impressum mit Kontaktdaten, mehrere Bezahloptionen und ein anerkanntes Gütesiegel für den Shop.

Weitere Informationen unter www.tuev-verband.de